rückwärts immer, vorwärts nimmer – ein ereignisreicher ausflug nach friedrichstadt

ihr kennt das sicher: ihr hoppt seit jahren zu bestimmten vereinen, welche ihr aus irgendwelchen gründen in euer herz geschlossen habt. diese „gründe“ sind meist auch verknüpft mit ganz bestimmten menschen. oft sind es die menschen, die euch da als erstes in positivem kontext begegnet sind. mit denen ihr dann im anschluss an mitreißende „90 minuten“ noch eine nicht weniger mitreißende nacht in den spelunken der stadt verlebt habt. „gegenbesuche“ planend, freundschatfsspiele erträumend, gemeinsame choreos brainstormend, schals tauschend, die neue freundschaft betrinkend… . schnell vergehen 10 jahre… . aus träumen wird realität, freundschaftsspiele werden umgesetzt, gemeinsame choreos gerockt und sich immer wieder zur begrüßung strahlend in die augen geschaut und herzlich umarmt. heute war das leider anders. ruhe in frieden, lieber ulf!

entwicklung…

interessant bis bemerkenswert ist die entwicklung des dsc im umgang mit politik im stadion. war vor sieben, acht jahren noch das aufhängen der 04277-fahne schon mal damit verbunden, dass irgendwelche alternden ronnies angehumpelt kamen, um ihren unmut zu äußern oder um am abhängen zu scheitern. gerne gabs auch komische kommentare von fraktion „fußball bleibt fußball…“, oder entrüstete blicke von den „ostragehege opas united“. heute hängt da ganz selbstverständlich eine „refugees welcome“ fahne am oberrang, eine mit „against homophobia & sexism“, ein doppelhalter mit „love football hate racism“, daneben transpi spekulatius wie „lauch army friedrichstadt“ oder diverse zaunstoffe angereister mit gleichermaßen klangvollen wie subtil provokanten namen: „TeBe schläger“, „purple gayz“ oder natürlich „rote allez! fraktion“. negatives feedback während des spiels dazu? null! als jemand, der mittlerweile schon zehn jahre zum dsc flaniert, möge mir erlaubt sein, dies als bemerkenswert zu bezeichnen. allerdings wurde mir nach dem verfassen dieser zeilen zugetragen, dass es doch unmutsäußerungen gab. doch lest selbst den folgenden abschnitt, welcher von jemand anderem verfasst wurde…

„europa tötet, fght frntx“ – doppelhalter stress

bei der gelegenheit unseres ausflugs zu unseren freund*innen vom dsc präsentierten wir erstmals unsern neuen lieblings-doppelhalter. es, als einziges, veranlasste dann aber doch ein paar alteingesessene, bebauchte grauhaarträger, sich über die einschränkung des sichtfeldes zu beschweren. auf die frage hin, um wie viel meter wir die aufstellung verschieben mögen, um ihren fußballgenuss nicht einzuschränken, kam heraus, dass es nicht so sehr der standort, sondern die botschaft war, welche ein paar wenige menschen störte, die „seit 40 jahren“ zum dsc kommen. die botschaft lautet: „europa tötet, fght frntx.“

die tatsache dass diese einfache botschaft „störte“, zeigt die notwendigkeit ihrer aufbringung an. die verdrängungsleistung eines containerschiffes scheint nötig, das bewusstsein um die tatsache zu entlasten, dass jedes jahr 1000e menschen im mittelmeer jämmerlich ertrinken und das seerecht routinemäßig missachtet wird. konkret die verpflichtung, in seenot geratenen zu helfen. ignoranz, welche die „werte“ europas als das enttarnt, was ihr einzig wahrhaftiger ist: die wohlstands-wahrungs-wertigkeit. auch die bauchtragenden „habenichtse“ haben dieses soweit verinnerlicht, jenen wert der „besitzenden“ zu verteidigen. gegen jene, die ihrer enteignung und spätkapitalistischen kolonialisierung-durch-die-kapitalistische-hintertür insofern zu entfliehen suchen, im reichen westen nach sicherheit für leib und leben zu suchen, auf die sehr erhebliche gefahr hin, beides zu verlieren. verzweiflung, die so groß ist und die dennoch negiert wird.

außerdem werden fluchthelfer*innen von den politischen verbrecher*innen der europäischen big player umgedeutet zu „verschlepper*innen“, schiffe unter fadenscheinigsten „gründen“ an Land gebunden und die crews mit horrenden haftstrafen bedroht. ganz normal das alles in europa. wie kann es ein freier bürger auch wagen die moralische verkommenheit aufzudecken, welche basis für die aufteilung der welt nach wohlstandsregionen erlaubt? das mittelmeer zur festung ausgebaut, foltercamps in libyen und anderswo eingerichtet, das zur unkenntlichkeit verkümmerte „recht auf asyl“ noch in seiner wurmfortsatzform brechend, die peripherie zu ausführenden der perfidie zwingend, die sich zwingen lassen, eilfertig.

und sei es auch nur, die alten weißen männer zu ärgern, die unser transpi ärgert, hätte sich die reise nach dresden zu und mit unsern freund*innen gelohnt. doch wir wollen und müssen auf die situation der Iuventa aufmerksam machen.

der doppelhalter: fanutensil, schattenspender oder doch antifaschistischer schutzwall?

ihr findet hier (https://roteallezfraktion.com/wen-wir-supporten/seenotrettung/) die entsprechenden umfassenden Infos. schaut mal rein. das thema ist so akut wie je und braucht alle solidarität und aufmerksamkeit, die ihr aufzubringen in der lage und willens seid.

10.000 lämpchen

so hieß es also, „ab zum dsc“, so lange es noch geht, oder hätt‘ ich schreiben sollen: so lange es noch steht? genau! denn mal abgesehn von dem umstand, dass aufgrund von covid19 bald wieder schluss sein könnte mit diesem ulkigen hobby, ist da der umstand zu berücksichtigen, dass das 1919 eingeweihte heinz steyer stadion in kürze „modernisiert“ wird. modernisiert ist so ein herrlich trügerisches wort. im falle des dsc grounds heißt es nix geringeres als: abriss und neubau der restlichen tribünen (https://dresdner-sc.de/verein/stadion/). vor sechs, sieben jahren wurde schon angefangen damit und 2017 die neue nordtribüne eingeweiht. warum ich das jetzt so negativ formuliere? die meisten neubauten sind seelenlose, sterile und meist fanfeindliche orte. ob das in diesem fall auch so sein wird? schaut euch die entwürfe an, warten wir es ab. mit abgerissen wird die epochale anzeigentafel, welche sich der ddr staat über eine millionen ostmark kosten lassen hatte. erbaut, damit seine über 10.000 lämpchen die weltrekorde auch gebührend anzeigten. auf einer fläche von 17,2 meter breite und 8,28 meter höhe, bei 2,5 meter tiefe. übrigens gebaut durch die ungarischen genoss*innen von elektroimpex budapest (welche auch das olimpico in rom ausstatteten). angesteuert und mit informationen versorgt wurde die tafel mittels eines rechners. dieser befand sich auf der 150 luftmeter entfernten haupttribüne. so weit der heutige ausflug in die historie dieses spannenden ortes.

zurück in die gegenwart

bei herrlichen temperaturen fanden sich vier fahrer*innen nebst karren, um alle menschen von leipzig nach dresden zu chauffieren. manche reisten auch aus berlin an und verbrachten das ganze we in leipzig. u.a. um tags zuvor einer führung durch die leipziger stadionwelt der 1910er bis 1940er beizuwohnen (der bericht dazu folgt die tage). andere kamen aus hannover-linden daher, um mit uns einen stimmungsvollen block zu bilden…

…noch andere kamen direkt aus dresden-nord, um den gegner anzufeuern. mit diesem gegner „borea dresden“ verbinde ich nichts positives. um genau zu sein auffällig viel negatives. vor fast genau 10 jahren schoss borea TeBe in zwei umkämpften relegationsspielen samt verlängerung aus der oberliga in die sechstklassige berlinliga. um sich dann kurz nach saisonstart aufgrund von „finanziellen problemen“ vom oberliga spielbetrieb abzumelden. tja richtig blöd. TeBe half das nicht mehr und so verblieb die lila-weißen ganze vier jahre in der „stadtliga“. letztes jahr wurden wir bei ankunft im steyer stadion von orangenen kunden übel beleidigt. und dann ist da noch die dummdreiste umbenennung des eigentlich als „fv dresden nord“ firmierenden clubs in „sc boreas dresden“ (mensch beachte das „s“ am ende) und versuchtem namenssponsoring des dresdner windenergie unternehmens „boreas“. ist auch eher als panne aktion in erinnerung. so weit so ungut, nun waren wieder viele borea (nun ohne „s“) fans anwesend, wobei sich die große mehrheit darauf beschränkte, nur dann ihr team zu besingen, wenn es tore schoss. „you only sing when you’re winning!“. ausgenommen eine kleine gruppe von etwa 5-7 dudez, welche sich in der kurve zwischen südtribüne und anzeigentafel eingerichtet hatten. die zwei „vorsänger“ gaben alles und das schreib ich jetzt nicht nur so daher. leider selten synchron und meist auch ohne kommunikation mit ihren eigenen leuten. eine trommel würde da viel helfen. dafür hatten sie spruchbänder und fahnen dabei. nunja, besser als nix? zum spielgeschehen kann ich wie immer nicht viel sagen, nur so viel, der gegner hat wohl das ein oder andere tor mehr fabriziert 😉 .

speis und trank

eine bitte an die getränke-/essens crew: haltet vor dem heimspiel mit individuen der dsc fanszene rücksprache, wie viele menschen kommen könnten und ob sich vegetarisches gut verkaufen könnte. für den 12.09. bestell ich hiermit schonmal 30 vegi bratwürste vor! auch die 50 min. wartezeit auf den ersehnten genuss einer gerstenkaltschale, bei einem event von 90 min. dauer solltet ihr evtl. überdenken. mensch kauft einfach mehr, wenn es nicht nur eine hz plus ein bier im stadion gäbe. ansonsten, liebe getränke- und essens crew, ham wir euch ganz furchtbar lieb.

rückwärts immer, vorwärts nimmer

an der außenwand des steyer stadions ist nahe dem marathontor eine tafel mit allen im stadion aufgestellten rekorden angebracht…

… letzter weltrekord im stadion, rückwärtslaufen

ergänzungen: 1. die geheimnisse der anzeigentafel: spannender artikel der sächsischen zeitung. 2. so könnte das steyer stadion nach der modernisierung aussehn: entwürfe.

ps: am 12.09. steht ein spiel im steyer stadion an, zu welchem mensch doch mal anreisen könnte, oder nicht?!

ALLE HIN DA!

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