Wir sind alle LinX-Demo Leipzig – 18.09.2021

Am Samstag dem 18.09. war es also so weit: Die große Demo unter dem Motto „Wir sind alle LinX. Wir sind alle Antifaschist:innen.“ lud ein. Es ward uns kulturgemäß unmöglich, nicht hinzugehen. So gingen wir, en bloc, als Fangruppe und mit einem hübschen Lappen auf unsrer neu patentierten Doppelhalter-Brezelgestänge-Konstruktion. In wenigen Stunden von der expandierenden Kreativabteilung ersonnen und auf Stoff geschmissen, brauchte es, für die Adressaten, in einfachem Englisch gehaltenen die politische Forderung, Lina (und die anderen Gefangenen), endlich(!), frei zu lassen, unter die Menschen. Dies Agitprop-Machwerk erfreute sich dann auch reger und weitreichender Medienaufmerksamkeit.

Früh gings los, unverschämterweise klingelte der Wecker schrill und ohn Mitleid wach. 12:30 Uhr Treffen am geheimen Ort im geheimen Viertel des sehr geheimen…, also da wo wir uns hier-da schon öfters mal trafen. Schlurfenden Schrittes sickerten die Massen ins Sammelgebiet. Rinnsal zu Springflut in einem akademischen Viertel. Naja, wir waren so 10, vielleicht. Aber hey, 3 is schon ne Party; dann sind 10 doch schon nen Demo-Mob… . Vielleicht warens auch nur 7 oder sogar 20…, irgend eine, in Hysterie platzierte, Kamera irgendeiner Behördlichkeit wird es genau gesehen haben.

Bundesweite antifaschistische Demonstration: „Wir sind alle Antifaschist:innen – Wir sind alle LinX!“ – 18.09.2021 - Leipzig - _MG_9259

Bildet Haufen!

Jedenfalls, voller Motivation und Demodrang ward der Haufen. Heftig wurde mit der heißen Bohne gesuchtet und erste kleine Biere entwuchsen gleich Frühjahrsblühern, wie in anno dunnemals vorhandenen doch nun weggentrifizierten Parks, den Jackeninnentaschen oder der anbeien gewerblichen Kühlung. So machten wir uns auf den Weg. Zum Johannisplatz gings. 14 Uhr sollt der Startschuss aus ner Bullenwaffe fallen, die blieben dann aber doch im Halfter. Und wie das bei Zecken so is… es braucht etwas, bis sie mal in Fahrt kommen, geht’s dann aber ab, dann geht’s AB. Eine geheime Zeitspanne nach 2 sind wir also da und entbinden unser Tuch. Ein prächtiges Bündel ists geworden. Auf dem Platz fingen dann paar Sprüche an, paar Gesänge. Erst noch schüchtern und sozusagen noch stimmbrüchig und Rauch hustend, im Takten der Tempi, im Schrauben an Höhen und Tiefen, im Stimmen der Bänder und Temperieren des Timbres (qua Schlauchschal u.ä.). Dann die unwesentlichen Infos zur Demo – Auflagen, Juttaihremutta und andres Gedöns. Doch schon pfiff die tiefschwarze Lok schrill und der Zug fuhr an. Abteil für Abteil ward vorgestellt und fand ins Geleise, heute war Überlänge.

Vom Grassi an in langsamem Trab, für den Lautsprecherwagen noch zu fix, und das übliche stop-and-go, zurecht ruckelnd. Begleitet von Liedgut extraordinär, weil nun mutiger und sicherer es wellenartig durch die Massen schwabbte im Zug von links nach weniger links (sowie retour) und von der Front entlang des Verlaufs zur mitlärmenden Rassel der Menschenschlange. Wie der stillen Wasserfläche bei Regen entnommene, zufällige Quellen kreisrunder Intonation und des ausbreitenden Anhebens. Die Fußballfreund*innen der Fangruppe mochten sich ergriffen fühlen, und Manches ist einfach auch zu catchy, um nicht mitzutun, „siamo tutti antifascisti“!

Der Weg rundete sich ein Viertel zum Wilhelm-Leuschner-Platz, wo unweit der Dimitrov-Wache bissl was vom Lauti her verzählt wurde, Manches bis Vieles – mit einiger Zustimmung bedacht, aus dem mitflanierenden Mob. Schön ist Einigkeit, wo sie sich gut begründet. So hier. Inhaltlich solide und überzeugend, nicht überredend. Freilich, am Orte, Perlen vor die Säue, oder allgemeiner: Schweine. Die 5000 oder 6000 oder 3500 (Polizisten können bei linken Demos irgendwie, keine*r weiß warum, ihre mathematischen Grundschulkentnisse nicht so richtig abrufen…) kannten es im Grunde schon. Die Polizei hielt sich zu Beginn eher auf Abstand, konnte also nicht hören welch subtile Kritik an ihrer und der Staatsanwälte Arbeit kundgetan wurde, und die Bürger…, ach ja… die Bürger. Schweigen wir, von ihren reflexhaften Trauerspielen fern ab der Demo.

Also, in den Worten der Schreibsperson, auf strukturelle Probleme in Judikative und Exekutive hinweisend. Auf skandalöse und z.T. hochrichterlich attestiertes illegales Vorgehen, in vielen Fällen und Beispielen. Konkret am Falle Linas und der weiteren Mitgefangenen.

Linken Aktivist*innen spenden jene Apparate keine Sicherheit, doch mit Sicherheit werden Letztere Ersteren Freiheit(en) nehmen. Der Deal ging nie auf, Freiheit gegen Sicherheit, doch zu spüren bekommen es die Wenigen. Which side are you on? On the left? There goes pression! Ein „Re-“ vorstellend, imaginierend, herbeiphantasierend – als ginge aus, die Ursache für eine Spirale, von der LinXen. Doch Ideologie erschließt eben das Hufeisen der Totalitarismustheorie, und nur sie. So im Privaten mehrerer junger Menschen, denen Lebenszeit gestohlen wird. Wie im großen Ganzen, in der Drohgeste gegen die Aufmüpfigen. Gegen jene, die weder die Morde der Rechten vergessen haben noch die, die sie decken, schützen und für Lügen bezahlen. Wie es deutsche Polizisten tun. Gegen Menschen, die jene Rechten, die ein Viertel und seine Menschen angreifen, nicht dank Deals mit der Staatsanwaltschaft mit „Böseböse!“-Urteilen auf freiem Fuß lassen wollen. Wie es deutsche Staatsanwält*innen tun.
Ein zu langer Text würde es werden, dies zu vertiefen. Freilich gibt es solche Texte schon massenweise, wer wünscht sie zu finden und zu lesen, findet sie. Allein das Wünschen in die dazu unwilligen Köpfe zu bringen… . Ein Miserere! Dennoch bringen wir dazu noch ein paar Infos, in nächster Zeit. An dieser Stelle.

Pyrotechnik ist kein Verbrechen

Jedenfalls, an der Dimitrow-Wache gings dann weiter, vorbei in den Peterssteinweg auf die Karli und von dort straight-line zum Connewitzer Kreuz. Es gab ein wenig Feuerwerk, Räucherware und ballons de fête die mit Füllung fetzten. Offensichtlich aus Freude darüber, dass so viele Menschen dem „Wir-sind-alle-LinX“-Aufruf gefolgt waren. Ein bisschen bunte Schwaden und Farbschönes in Klecksen, ein wenig mehr Koloration in den grauen Alltag der Boys* and Girls* in Blau zu bringen. Sicher freuten die sich drüber. Wunderbar, wenn mensch andern was Gutes und Schönes tun kann.

Bundesweite antifaschistische Demonstration: „Wir sind alle Antifaschist:innen – Wir sind alle LinX!“ – 18.09.2021 - Leipzig - _MG_9275

Das nun wieder „kreative“ Schreiberlinge der ungut-bürgerlichen Presse dieses als Angriffe sehen wollten… nun ja. Sicherlich lässt es sich denken, dass wenn ein Ballon mit Farbe gefüllt genau einen – nicht vor Ort gewesenen – Polizisten, genau auf den Mund getroffen hätte. Während jener gegähnt hätte, ohne Helm – den er nie abgesetzt hätte – und dann wäre die Farbe ihm sozusagen die Luftröhre runter… . Freilich hätte er ertrinken können…, quasi jede in der Kindheit geworfene Wasserbombe ein Mordversuch… oder so.  

Selbstverständlich achteten viele bis so gut wie alle darauf, einen Mund- und  Nasenschutz zu tragen, immerhin waren viele Menschen an einem Ort und Corona dräute, auch mit sinkenden Zahlen. Verantwortungsbewusste LinXe wollen mal sicher kein Superspreader-Event durchführen. Freilich nahm die Polizei die gesundheitserhaltenen Maßnahmen übel. Denn das herrlich-singuläre Kuriosum des Vermummungsverbots gilt es in der BRD, wie allerlei unnützen traditionellen Mumpitz, zu verteidigen, gerade und vor allem bei Nachweis der Überkommenheit.

So tut der Konservative, er will die erträumte Vergangenheit in Formaldehyd packen und im Gesellschaftsregal als konservatorisches Meister-Exempel allen zur Nachahmung anempfehlend und dann ins Gegenwarts-Regal reinschummeln. So waren denn Masken-, Schal-, Mützen- und Sonnenbrillenträger*innen plötzlich bitterbös, in der Statistik auftauchende, Vermummte. Wie können wagen, LinXterroristen! Mutwillig, was heißt stets bös-, die armen Ordnungsmänneken und -mademoisellen verwirrend. Welch Dreistigkeit!

Hoffnungslos verbissen kämpfen

Doch langhin verstarb das Hoffen auf Verständnis, noch gar Einsicht. Übrig blieb der Wunsch die eignen Werte und Moral zu verteidigen, manche davon kompromisslos. Gegen eine stet dreister agierende militanter werdende Rechte und ihrer Koalitionäre, die tief im Arsch der Institutionen sitzen und ihre Netze ungestört weiter knüpfen, in die sogenannte politische Mitte. Denen kein dringend benötigter hinreichender Gegenwind entgegenbrüllt, aus jenen Kreisen, die der, durch ihre Praxis lächerlich gemachten, Theorie nach dazu bestimmt sind, die Institutionen und Menschen zu schützen.

Hier hinter gibt es kein Zurückweichen. Daher die Anfeindungen dieser Wünsche so schwachsinnig sind. Wir, die wir auch LinX sind, geben diese Wünsche nicht auf! Wir bleiben solidarisch mit den Angefeindeten, den Verfemten und Angeklagten. Wir beharren darauf, dass Erstens eine sooo „begründete“ Anklage keine Verurteilung ist noch nach sich ziehen darf. Dass Zweitens eine wie immer skandalöse aber in Sachsen sehr wohl mögliche Verurteilung nicht unsere Solidarität bräche, noch uns schlaflose Nächte bereiten könnte, darauf bezogen, dass wir uns dann mit einer „Straftäter*in“ solidarisiert hätten. Feige und verfassungsblind, wer sich davon abbringen lässt, bis zur Verurteilung Unschuldige zu unterstützen. Dem verwandt verlangt die Feigheit des Bürgers „Courage“ und „Wehret den Anfängen“ von irgendwelchen Anderen (außer Ihnen selbst), die Sich-Wehrenden und Couragierten aber klagt sie an. Sie, die Feigheit, postuliert die lächerliche Dogmatik des Gewaltmonopols, in Verkennung bloßer Realität, Hunderter Ermordeter, Tausender Verprügelter und Malträtierter, aus dem Quell von rechten „Nichtmonopolisten“.

Ansonsten, die Demo: Es ging an der HTWK vorbei, hier gab es vereinzelten Unmut aus der Menge, ob inzwischen als illegal festgestellter Kamerainstallation(en), welche auf deren Dach installiert wurde(n). Das Netz der Überwachung, eines in der Kriminalstatistik unauffälligen bis durchschnittlichen, Viertels weiter zu verengen, und Selbiges weiter zu kriminalisieren. Business as usual. Prozesse die ohnmächtige Wut auslösen, die zum Nächstbesten greifen machen kann, möglicherweise gar, eine Scheibe zu demolieren. Freilich ist dieses im strengen Sinne sinnlos, übertragen allerdings jenen ein Symbol, die so tun. Es wurde von den Organisator*innen mehrfach aufgerufen, solcherlei bitte zu unterlassen.

Am Kreuz schließlich wurde das Ganze dann nach ein paar wiederum breite Zustimmung auslösenden Reden von den Organisator*innen beendet. Es ist breit diskutiert worden, dass es daraufhin zu „Ausschreitungen“ gekommen sei, diese waren aus Sicht unserer Gruppe der Bau und die Entzündung von einer Barrikade (evtl. mehr als einer) auf der für den Verkehr gesperrten Wolfgang-Heinze-Straße, parallel zum Ende bzw. kurz nach dem Ende abseits der Abschlusskundgebungslokalität, wenn auch in Sichtweite. Es war dieses nicht Teil der Demo. Noch ist es in irgendeiner Weise den „Wir-sind-alle-LinX“-Demoorganisierenden anzulasten. Dass nun, das öffentliche Verbrennen von Müll, manchem Schaum der Wut aus dem Zahngehege treibt nun ja… . Wenn es für Manche sonst nix gibt, sich aufzuregen…, als über „Sachschaden“, an Müll. Unbenommen.

Demo ist Demo und Schnaps is S.U.F.F.

Wir jedenfalls verließen das Kreuz nach dem Ende der Demo, in die Similde abzubiegen. Wo ein klein After-Demo-Konzert unter dem freien Connewitzer Himmel stattfinden sollte. S.U.F.F. spielten auf. Von jenen wurden wir Tags zuvor gefragt, ob sie nicht unser Transparent ausleihen dürften, es als Backdrop für die Stage zu nutzen. Gern brachten wir es ihnen und tranken noch ein stilles Wasser zum lauten Hallodri.

Die Band widmete den Abend ihres Record-Releases kurzerhand der zu befreienden Lina und den Mitgefangenen. All Anwesende freute es hörbar ausgiebig, wie die folgenden Melodeien. Evtl. waren letztere ein wenig beeinflusst, von dem den Soundcheck überlärmenden Helikopter, jener vielleicht entsandt war das vom Himmel her beregnete Barrikadenfeuer lodern zu machen, oder eben die Feineinstellung des Instrumentariums zu stören. Bei nem S.U.F.F.-Konzert… Kulturverbrechen!

So endete unsre Demo. Wenn auch manche noch Unschönes zu berichten wissen, was wir die Tage euch noch zutragen werden. Stay tuned. Wie wars denn bei euch, habt ihr ne schöne, typische, anstachelnde, Übergriffe mitzuteilende Demo-Erfahrung gemacht? Schreibt uns gern was Nettes oder weniger Nettes dazu.  

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