Kommunismus ist unpopulär, so ist der Anarchismus. Anachronistisch wirken Sammelbegriffe, Schlagworte des vorigen Jahrtausends. Was wollen sie eigentlich meinen? Wenn doch Jedmensch etwas andres darunter versteht. Wie sollte sich hier auf eine Eindeutigkeit einmal und letztgültig geeignet werden. ICH halte diese AMBIVALENZ nicht mehr aus! Ah!!!!
Da das kritische Denken sich im Sinkflug befindend zur Notlandung ansetzt, um baldig am faschistischen Fels zu zerschmettern: Was könnten Varianten moderner medial erfolgreicher Verbreitung kritischer Aspekte sein, die breite Masse zu erreichem, mind. ein Innehalten für Inhalte?
Schaut das Mensch ins mediale Gemenge relativ moderner Öffentlichkeit, also das Internet, werden dem Wesen nach immergleiche Aufgüsse ersichtlich. Emotion verfängt, in jede Richtung, aber eben auch in die richtigere (Die RICHTIGE zu finden… welch [unerfüllbarer] Traum!) . Tragödie und Komödie treiben zeitlos in die Ewigkeit ihr Wechselspiel. Die Melodie kleidet was zu dumm ist, ausgesprochen zu werden (vgl. Voltaire), in kluge Lyrics. Logische Inkonsistenzen in Assoziation und Hymnus mögen bei Analysen augenscheinlich auffallen, als Kunstprodukt ist dem Song, dem Stück, dem Comedy-Act jedoch ein achtbares Ausmaß an Crinch gestattet. Ein Maß an Fremdscham und Peinlichkeit das ernsten Blickes vorgetragenen Pamphleten ausgeklügelster politischer Wissenschaft nicht zukommt. Vielleicht unfair, aber naja.
Bsp. 1: Ren

Bildquelle: https://twitter.com/Renmakesmusic
Eventuell ist dieser Sänger/Rapper, englischer Provenienz eines der besten, aktuellen Beispiele für medienbasiertes Trenden, wie es hier als möglicherweise vorbildhaft verstanden wird. Eine Blase der Reaktion und Re-Reaktion bauscht sich auf. Um eine überraschende Tiefe und Schwere in Songs über psychische Normativitätsabweichung. Um scene-typische Selbstbeweihräucherung des „ich bin der Krasseste“ bei erstaunlicher technischer Brillanz. Um, und hier der Hock, plötzlich radikale Ablehnung desselben Systems zu propagieren, in dem eben jener konsumistische Aufblähprozess überhaupt erst funktionieren kann, Metaebene. Natürlich kritisierbar als in sich widersprüchlich, aber was bringt es, wenn das System der Operation singulär ist, um populär zu wirken? Vorerst: Unausweilchlich.
Während sich also die typischen Rapsongs zwar beachtlich ausmachen, in Hinblick auf das Können des Künstlers, ist die daraus erzeugte Reichweite, v.a. daraus gespeiste Aufmerksamkeit, Vehikel. Ganz und gar nicht soooo typische Aspekte der Songs zu vermitteln und das wirkt, mind. ein bisschen. Selbst wenn es nur der (Selbst-)Bestätigung von Werten gelten würde, von welcher breitere Teile der Bevölkerung evtl. nicht mal ahnen, dass sie ihnen zukommen, in der Reaktion aufs tonale Produkt. Wie praktisch?
1.
Ein Song wie „Hi Ren“ hat zum Stand des Schreibprozesses 19 Millionen Aufrufe, er ist… etwas Anderes. Darin singt Ren in zwei Stimmen vom Negativen und Positiven Selbst in sich, dass in Widerstreit um seine Seele battelt. Im Zusammenhang mit seiner tatsächlichen Biographie, die dieses an sich bei jedem Menschen vorhandene innere Konfligieren durch Krankheit und (falsche) Medikamentierung potentiert und intensiviert vorfindet. Eine Intensivität die in den hochprofessionellen Musikvideos sichtbar wird, fühlbar. Das ganze erzeut ein Gefühl von Originalität und Authentizität. Was auch immer von diesen Schlagwörtern zu halten ist. Menschen finden hier etwas, dass sie wo anders, trotz vergleichbarer musikgewordener Selbstgespräche – die in den Lyrics gar benannt werden, scheinbar nicht finden. Was auch immer von Musikreactions zu halten ist, die schiere Masse derer, macht eine technisch und inhaltlich sicher herausragende Leistung zu einem Phänomen. Emotional abholend.
2.
Songs wie „the Illest of our time“, „Animalflow“, und „the hunger“ zeigen hingegen technische Brillianz (je ca. 2 Millionen Aufrufe). Da kann jemensch wirklich was, das sind gute Beats, gute Flows, die Bars sitzen, spitting facts, das ganze Ding. Dies all erzeugt Respekt, ein relativ köstliches Abschmecken für die Connaisseur eines der beliebtesten Musikgenres der Gegenwärtigkeit. Ein Respekt der sich ausweitet, indem eine gewisse Regelmäßigkeit in der Veröffentlichung, die Nutzung der Algorithmen, des Mediums und den Hang des Menschen zur Serialität, die ihr Konsumverhalten von Game of Thrones, Breaking Bad und modernerer Nachfolgeprodukte schulte. Respekt einflösend.
3.
Es kommen plattere, allgemeinere Kritik dazu, in v.a. „Moneygame II“ ist das gut ersichtlich. Während „Moneygame I“ etwas tiefer geht, aber darum, so lässt sich vermuten, auch nur ein Drittel der Aufrufe hat (9 zu 3 Millionen), vielleicht liegt es teils auch am Video. Während erstgenannter Song Korruption im politischen Apparat durch die Ökonomie (jene wesensmäßig, also mehr Feature als Bug ist) im Allgemeinen und die Krux moderner „Democrazy“ (vgl. Brecht) in der Faschisierung im Spätkapitalismus eher plakativ besingt, ist Letzgenannter auch darauf fokussiert wie Propaganda funktioniert und wie Wahrheit obsolet und Historie Story wurde. Hier kommen „die Anderen“ in den Fokus. Wo in Part 2 eher das Wir, eine Affirmation in der Empörung, ins Boot holen soll, ist im Ersten Teil dem Wir zu vermitteln, dass im Boot eben auch „die Anderen“ sitzen.
4.
Wütende Revoluzzer-Songs wie „Crucify your culture“ haben dann nur noch nicht ganz 400.000 Aufrufe, aber immerhin. Auch hier ist es dem Medium gemäß keine politikwissenschaftliche Abhandlung auf die Ohren, sondern höchstens gehobene Parole. Trotzdem, hier wird das Kapital als solches angegriffen und seine Erfüllungsgehilfen, radikal andere Storysegmente werden angeboten, um Reminiszenzen in ein neues Bild zu setzen, durchaus disruptiv gegenüber gängigem Was-Mensch-halt-so-glaubt-zu-denken.
Bsp. 2: Some more news

Bildquelle: https://www.podcastone.com/pd/Some-More-News
Über Humor lässt sich streiten, über solchen der einem einkleinstück anderen, mind. mal sprachlichem, Raum entspringt ohnehin. Bringt nix, ist aber möglich. Jedenfalls, in dieser Sendung wird mit viel statistischem-wissenschaftlichen Hintergrund wichtige Botschaft über einen Clown vermittelt. Der Grad des Tragödien-Komödien Verhältnisses mag nach den Themen variieren, oft bildet der Humor nur einen Rahmen um die dargestellt sollenden Inhalte, doch witzig ist es fast immer, leidlich. Spaß der hier gehabt wird mildert das fast immer Tragische in den vermittelten Inhalten. Diese sich im Grunde darum drehen, dass das Kapital es geschafft hat die kulturelle Evolution der Menschheit zu ersticken, insofern sie je vermocht hätte über den derzeitigen Stand der anstehenden Selbstauslöschung, auf so vielen Wegen, großer Teile der Menschheit hinaus zu kommen. Durchaus fraglich.
Hierbei ist die Variabilität des Ganzen Formats sehr schön und einfallsreich angepasst an die Episoden. Strohfrauen*männer kommen dazu, Opponenten vorstellend, Prozesse denen das Mensch unterliegt werden teils durchgespielt, teils überironisiert, teils bitterernst und appelativ vorgetragen. Ein Motto wird eingeführt unter dessen Primat eine Folge abläuft, scheiternd dabei des Mediums Wirken als solche auf der Metaebene beleuchtet. Es wird reichlich aufgelockert was Ernst ist, mit Vulgärem, Absurdem, Clownerie, Wut, usw.
Etwas Konkreter:
In der Folge über reiche Menschen werden effektiv Anekdoten mit statistischem Material verbunden, der Moderator spricht aus Sicht der nichtreichen Masse, wandelt aber diese Rolle im Verlauf der Sendung. So dass er plötzlich auf der andern Seite steht um nun verbal jene zuvor abstrakt dargestellte „Hirn-Krankheit“ des Reichseins, an sich selbst beispielhaft den nun ANDEREN vorzuspielen. Freilich als „Held“ der Aufführung auf jenen Ausgangspunkt zurückfallend. Dieses ist sehr komisch aber eben auch sehr anschaulich. Es macht spürbar was nicht erlebt werden kann, weil der ganze Witz darin besteht, dass Mittel- und Unterschichtsemporkömlinge die Unmenschlichkeit der Reichen nicht direkt erleben können, weil sie keine kennen und keinen Umgang mit jenen haben. Das gilt theoretisch natürlich auch für andere Klassendifferenzen, etwa jene Zwischen breiter Bevölkerung und der politischen Klasse (auch wenn hier die soziale Durchlässigkeit ungleich größer ist).
Jedenfalls nimmt im Verlauf die an sich etwas fade Frage, ob mit den Reichen etwas nicht in Ordnung sei, ein sehr viel breiteres und relevanteres politisches Feld ein, wird der monetäre Faktor doch mit dem Konsumptionslevel in Verbindung gebracht und also mit angedeuteter Zerstörung des Planeten. Zudem mit dem Hang dazu, ab einem bestimmten Level des Reichtums besessen davon zu sein dieses Level zu halten und durch Erhöhung des Levels zusätzlich zu sichern. Ein Zyklus der ab einer erstaunlich niedrigen Summe des jährlichen Einkommens einsetzt und ins Himmelreich davon spiralliert. Also eine das System der Ermöglichung des eigenen Status konservierende Haltungen entwickelnd, konservativ werdend. Kurzum, für das ICHICHICH die Basis seines Erfolgs, die Ausbeutung der Massen, betätigend und verschärfend wirkend.
Das ist nicht neu, als Gedanke. Es macht die Notwendigkeit offenbar, wenn Menschen in signifikanter Weise etwa gegen die Zerstörung des Planetens kämpfen wollen, sie gleichsam Klassenkämpfer sein wollen müssen. Und das ist kein Vielleicht, es ist zwingende Voraussetzung. Weswegen radikale Klimaaktivisten in diesem Land inzwischen als neue Volksfeinde verteufelt werden, nur weil sie die Geschwindigkeit der Zerstörung hemmen wollen, indem sie ein bisschen mit Leim spielen. Selbstverständlich hat Letzteres nur symbolische Wirkung, wenn überhaupt. Denn die Wirksamkeit dieser Taktik würde bedeuten, Privatjets und Kurzstreckenflugzeuge auf der Rollbahn festzukleben, oder grundsätzlicher, denen die Obszönität der Konsumtion für sich in Anspruch nehmen, die Mittel dazu wegzunehmen. Was Medien freilich als Freiheitsentzug, Enteignung, autoritär, usw. beschreiben könnten und auch würden. Solch Vorgehen ist innerhalb der herrschenden Systeme von Politik und Wirtschaft nicht möglich, weswegen sich die „Klimaterroristen“ eben selbst festkleben. Statt jene Wohlhabende und die von ihnen Gekauften.
Bsp. 3: Politische Kommentierung von Links
Hierbei handelt es sich um ein zwiespältiges Beispiel (das daher nicht näher benannt wird). Den Rechten kann nicht Nichtwidersprochen werden. Gleichsam ist dies Reaktiv. Wenn ausschließlich betrieben, von Kommentierenden, verbleibt der Aktive Part eben, bei den Rechten. Nun kann Mensch denen nur das Maul stopfen, auf Wegen die gemeinhin als rechtlich problematisch angesehen werden, von den je staatlich-juristischen Apparaten. Wenn also je ein Mensch für sich die Entscheidung trifft dieses nicht zu tun, andere mögen sich anders entscheiden…, dann haben die Rechten die Möglichkeit zu behaupten was immer ihnen behagt. Inzwischen kann selbst die große CDU-Kanzlerhoffnung, so behauptet mind. eine Klage gegen ihn, Volksverhetzung betreiben, und die tumbe Masse vermag nicht sich daran zu stören. Es geht hier also nicht darum, das Reaktive zu verdammen, lediglich Ergänzung anzuregen. So ist etwa die Formulierung von Inhalten auf Ebenen des Textlichen zuhauf zu haben. Allein, wer liest heut noch? Freilich wenn jene Inhalte aufgearbeitet würden und in eine modernere mediale Form gebracht würden, bspw. wenn Antifaschist*innen Youtube-Kanäle aufbauen würden, mit Ausläufern zu TikTok, wäre dies unter Umständen eine interessante Content-Produktion, die dahin ginge Zugang von bereits Bekanntem zu erleichtern.
Spittballing:
Wenn nun sich anonymisierende Antifaschist*innen ein kleines Nachrichtenstudio zimmern würden, Schreibtisch und Green-Screen (oder ein beliebiger Hintergrund) und von jenem Ort aus, einfach täglich einen kleinen Artikel aus dem Antifaschistischen Infoblatt (o.Ä.) wiedergeben würden, kurz zusammengefasst. Denkbar wären, dazu Telefoninterviews, Verknüpfung mit andern aussagebereiten Gruppen zu den Themen. Etwa bei der Betrachtung der NSU-(Nicht-)„Aufklärung“, NSU-Watch um Statements bittend. Bei Betrachtung der fortlaufenden Zerstörung des Asylrechts könnte Pro-Asyl befragt werden, etc.
Freilich ginge es nicht darum Inhalte bloß zu kopieren, solch ein Projekt sollte nicht mit ohnehin um die Existenzfortdauer kämpfenden Magazinen konkurrieren. Vielmehr diese verknüpfen. So könnten breite Felder der Interessen bedient werden. Am feministischen Freitag ist bspw. das Missy-Magazin (o.Ä.) die Primär-Quelle eines Beitrags (PS: schließt Abos ab! Das Heft struggelt…), am Satire-Samstag wird die Titanic (o.Ä.) besprochen (PS: schließt Abos ab! Das Heft struggelt…), etc.pp.
Hierfür könnten sich Antifaschist*innen vernetzen, die eh schon in Antifagruppen aktiv sind und Recherche-Arbeit betreiben. Freilich möchten jene Menschen das Wesen ihrer Gruppen und deren Aktive vor den Verfolgungsbehörden so gut es geht verbergen, da sie stetig kriminalisiert werden, insofern könnte es sein, das dieses nicht durch solche Gruppen als sinnvoll erachtet wird. Andere Betreibende sind denkbar.
Formal und materiell braucht es nicht viel. Es braucht Quellen, redaktionelle Arbeit und die Technik. Und v.a. willige und einigermaßen begabte Sprecher*innen, denen anonymisierende Maßnahmen möglich sind. Die Autoren dieses RA!F-Blogs haben bspw. ein inneres infantiles Kichern für den Gedanken übrig, dass jemensch mit einer Gorillamaske urbane Politik bespricht, etwa gröbst gesagt Gentrifizierung, und dabei einem ähnlich Klingenden angelehnt als „Stadt-Gorilla“ dieses vorträgt. Einfach eine heitere Vorstellung.
Fazit:
Bei all dem geht es nicht darum etwas als falsche Kommunikationsstrategie zu kritisieren, sondern darum sich Gedanken zu machen, wie eine weitschweifigere Verbreitung von Inhalten möglich sein könnte. Auf welchen Wegen, erfolgreiche Phänomene mind. in Teilen nutzbar gemacht werden könnten. Dieses ist notwendig abstrakt. Bspw. ist ein humoristisches, eine gesangliches, ein Show-Talent nicht jedem Menschen gegeben und noch erst recht nicht solch außergewöhnlich ausgeprägtes. Umso mehr gilt, dass dieses nur von sich dazu befähigt Fühlenden überhaupt zu leisten wäre. Was die hier gemachten Überlegungen als mind. ein stückweit virtuell und wenig wirkmächtig erscheinen lässt. Völlig zurecht. Hier Schreibende fühlten sich, zum Guten wie zum Schlechten, dazu berufen in einem Blog zu schreiben, den kaum jemensch liest. Das ist ihr verschwindender Beitrag. Freilich in ihrem Wirken darüber nachdenken könnend, was sie nicht vermögen, aber andere vielleicht. Als Anregung. Nicht so sehr ausgeklügelte Strategie.
Im Grunde ist dieser Text auch eher etwas, das sich der allgemeinen Kritik des Internets im Artikel „vox populi, vox Die“ anschließt. Diese natürlich zugespitzt war. Es scheint manchen evtl. ungerecht den Botschafter für die Botschaft verantwortlich zu machen. Insofern sollten ein paar positivere Botschaften draus hervorgehoben werden. Diese sind relativ willkührlich und andere hätten dargestellt werden können. Zu einem späteren Zeitpunkt mögen andere Beispiele folgen. Für heut: Genug.