Stonewall Riots

Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen“ – G. Santayana

  1969, in der Nacht zum 28ten Juni: Völlig routiniert (monatlich – zuletzt häufiger) kam es zur Durchsuchung eines Orts der Zusammenkunft, an dem LGBT*-Personen Zuflucht vor täglicher Diskriminierung fanden. Ein kleines Refugium der Auslebung devianter Identitäten. Razzias fanden hier statt um mehrere Verhaftungen vorzunehmen, v.a. von Transpersonen. Sie wurden, konnten sie sich nicht ausweisen, von Polizistinnen in Hinterzimmer geführt, um ihr körperliches Geschlecht zu überprüfen, stellte sich heraus, dass ein „biologischer Mann“ sich in „Frauenkleidung“ befand, wurde sie festgenommen. Bzw. vice versa, „Frauen“ mussten mind. 3 „weibliche“ Kleidungsstücke tragen. Bei Verhaftungen nahm man auch Management und Angestellte fest, übrige Gäste mussten die Einrichtung verlassen, das Lokal wurde geschlossen.

  Das Stonewall Inn war ein kleines Lokal in Greenwich Village, in New York City. Es gab nur wenige Orte in den 60ern, welche offen LGBT*-Personen willkommen hießen. Das Lokal wurde von der Mafia betrieben und 1966 absichtsvoll zur Gay-Bar umgebaut; v.a. bei den ärmsten und meist-marginalisierten Mitgliedern der heimlich-kleinen Community (die erst entstand) war es beliebt. Drag Queens, Transpersonen, feminine Männer, maskuline Lesben, männliche Sex-Arbeiter und junge Obdachlose waren die Besucher (zu 98% männlich, häufig Afroamerikaner u. Hispanics). Kein fließendes Wasser hinter der Bar, häufig überlaufende Toiletten (u.a. daher: keine Prostitution o. Drogenverkauf) und keine Notausgänge, dafür aber mit zwei Tanzflächen. Die einzige Bar in ganz New York, wo schwule Männer tanzen durften (ohne Körperkontakt…) – ein Alleinstellungsmerkmal das die Beliebtheit verständlich macht. Eine Tanzfläche war schwarz gestrichenen mit Schwarzlicht. Bei Kontrollen wurde ein helles Licht zugeschaltet, das signalisierte: „Tanzen und Berührungen einstellen!“. Schon interessant, dass eine, wenn nicht die, Institution des Verbrechens den Kriminalisierten Unterschlupf bot. Nur zwei Bars in ganz New York nahmen überhaupt Transpersonen auf.  

Stonewall Inn Außenansicht (1969)
Stonewall Inn Grundriss

  Zur Vorgeschichte: Der Zweite Weltkrieg brachte gesellschaftliche Veränderung mit sich (bspw. kamen schwarze GIs aus Frankreich zurück, in dem es relativ weniger Diskriminierung von Schwarzen gab; Frauen waren in Arbeit, kommunistisch/trotzkistische Bewegungen wuchsen, der Einfluss auf Wissenschaft/Kultur durch Exilanten war beflügelnd-kosmopolitisch, …). Doch nun gab es den konservativen Backlash. Befördert durch die sich immer mehr abzeichnende Frontstellung gegen die UdSSR. Ein gemeinsamer Feind eint, doch dieser nicht im zeitweiligen Antifaschismus, sondern im Konservativismus (mit offner Grenze zur faschistischen Tendenz) des schon Vergangen-Verschwundenen der Vorkriegzeit (es war keine Konservierung, sondern Reanimation).

  Allgemeiner Nationalismus ging in die McCarthy-Paranoia über, Anarchisten/Kommunisten galten als unamerikanisch, Subversive als Sicherheitsrisiko. Homosexuelle, weil sie als anfällig für Erpressungen galten. Menschen die „perverse Akte“ begingen, würden die „emotionale Stabilität“ „normaler“ Personen untergraben. In Regierungsorganisationen tätig wären sie deshalb gefährlich. Ende der 50er kam es zu massiven Entlassungswellen, Geheimdienste, Exekutive und Militär wurden „gesäubert“; später Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen. Ende der 50er führte die Polizei Homosexuellenlisten (inkl. derer Freunde u. Institutionen), Post/Pakete wurden z.T. vom U.S. Post Office einbehalten, Bars/Restaurants geschlossen oder die Besitzer unter Druck gesetzt, dabei Besucher verhaftet und in Zeitungen öffentlich zur Schau gestellt (d.h. geoutet – vielfach der finanzielle Ruin), Razzien in Parks, Nachbarschaften und an Stränden durchgeführt, Tausende Homosexuelle öffentlich erniedrigt, körperlich attackiert, in Gefängnisse und Klapsmühlen gesteckt. Die American Psychiatric Association führte Homosexualität 1952-73 offiziell als Geistesstörung, eine Pathologisierung welche die Einweisung sehr erleichterte. 

  Die Unruhen um das Stonewall Inn waren nicht die Ersten, wie immer wieder fälschlich behauptet wird, wenn auch die Wirkmächtigsten.

  Der Compton´s Cafeteria Riot fand schon im August 1966 in San Francisco statt. In einem Café das bis dahin Transpersonen einließ, die zu jener Zeit durch die Schwulen-Community diskriminiert wurden. Da deren Beisein der Polizei Anlass zur Durchsuchung gab (Crossdressing war verboten) wurden sie häufig aus Gay-Bars ausgeschlossen. Mitte der Sechziger waren Transpersonen im Café immer weniger willkommen, die Polizei wurde gerufen und es kam zu Verhaftungen. Daraufhin wurde das  Lokal bestreikt. Mit die erste Demonstration von Widerstand gegen Polizei und Transphobie. Die Initialzündung des lokalen Aufbrennens war Vorlage für wunderbares Kopfkino. Etwas Zelluloid hier:

  Im vollen Ornat der Uniformität stapft da so ein Vollmacker mit Bauch, Schnäuzer und totaler Verunsicherung über die eigne Sexualität – unwillig das Sichtbare nur für einen Moment als „möglich“ zu erachten, daher er es „unmöglich“ fand – zum Tisch und sagt so in etwa, „Sir! blablabla verhaftet Gedöns!“, die völlig kalte Transe schaut ihn eine halbe Minute an – unter falschen dunklen Locken hervor, taxierend – wie die stolze schwarze Mietz die zitternde weiße Maus. Die Handflächen auf dem Tisch stemmt sie sich dann, mit der Würde einer großen Dame, vom Tisch hoch, dabei eine Hand die volle Kaffeetasse greift und dem Unverschämten kochendheißes Zeuch, was man halt da drüben für Kaffee hält, mitten in die selbstgefällige Fresse schleudert.

  Und die G20-Extperten werden aufschreien: „Hier glorifiziert jemand Gewalt gegen Polizisten!“. Und der Autor sagt: „Stimmt, ganz genau!“.

  Der Rest war eine Explosion unterdrückter Wut und Gerechtigkeitsbedürfens. Plötzlich fingen die Transpersonen an Geschirr und Teile der Einrichtung zu werfen, die große Fensterscheibe zerflog und die Polizei floh, Verstärkung zu rufen. Als sich der Riot auf die Straße ausbreitete. Ein Polizeiwagen wurde dabei zerlegt und ein Kiosk angezündet. Am nächsten Tag vergrößerte sich die Menge der Transpersonen, nun kamen auch viele anderer LGBT*-Personen und schlossen sich der Ladenbestreikung an, der nun gar keine Transpersonen mehr einlassen wollte. Die schon in neuem Glanz erstrahlende Fassade wurde erneut entglast.

  Im Nachklang des Riots gründete sich 1968 die National Transsexual Counseling Unit (NTCU), die erste Interessenvertretung für Transpersonen auf der Welt. Weitere wichtige Folgen waren, dass diese von der Stadt mehr und mehr „als Bürger“, nicht mehr nur als „Problem“, angesehen wurden. Auch die Polizeibrutalität nahm ab. Mit dem Rückgang des zu Fürchtenden nahm auch die Furcht verhaftet zu werden ab. Das Aufstehen gegen die  Polizeigewalt hatte (lokal) etwas verändert. 

  Schon 7 Jahre zuvor, 1959, fand der Cooper Do-nuts Riot statt. Mathematik: 2 Polizisten verhafteten 2 Dragqueens, 2 männliche Sex-Arbeiter und 1 schwulen Mann und wollten alle 5  auf 1 Rückbank 1 Wagens unterbringen. Nachdem Erstere sich gegen den Protest, da sei gar nicht genug Platz, taub stellten, ergriffen Umstehende was immer zu greifen war. Kaffee, Tassen, Müll und Sonstiges, die Polizisten damit zu bewerfen, bis die sich in ihren Wagen zurückzogen und ohne Verhaftete abdüsten. Einer Letzterer war John Rechy, der über den Vorfall in der Novelle City of Night schrieb. Am Abend kam die Polizei mit Verstärkung zurück und nahm Verhaftungen vor, gerade als der Riot sich auf die Straße ausgebreitet hatte.

Demo vor der Black Cat Tavern

  Eine erwähnenswerte Begebenheit fand auch in der Black Cat Tavern 1965/66 in LA statt. Zwar war das kein Aufstand aber das Ausmaß der Polizeigewalt bei der Razzia an Silvester war herausragend. Die brutalen Festnahmen begannen perfider Weise als sich die (v.a. schwulen) Besucher – wie in den USA üblich – mit dem Gong-Schlag zum neuen Jahr küssend beglückwünschten. Das verursachte immerhin eine PRIDE (Personal Rights in Defense and Education) & SCCRH (Southern California Council on Religion and Homophile) Demonstration (200 Teilnehmer) und eine Spendenaktion für die Inhaftierten. Diese Ereignisse fanden in den populären Medien jedoch keine Beachtung, daher sie nur lokal bedeutend blieben und nicht den Hallo-Wach-Effekt der Vorkommnisse um das Stonewall Inn hatten (siehe hierzu das Paper „Movements and Memory: The Making of the Stonewall Myth“  von Elizabeth A. Armstrong u. Suzanna M. Crage).

  1968 folgte eine Razzia im The Patch, noch einer Bar in LA, geleitet vom Comedian Lee „the blond darling“ Glaze, die von vielen homosexuellen Männern und Frauen (viele aus dem lokalen Roller Derby Kreisen) besucht wurden. Auch hier lässt sich ein herrliches Bild malen:

  Polizisten rammeln in den Laden und beginnen sofort Verhaftungen durchzuführen. Dem Besitzer platzte daraufhin der schöne Kragen, er entert die Bühne schnappt sich das Mikrophone und brüllt umgehend darein: „It’s not against the law to be homosexual and it’s not a crime to be in a gay bar!“. Er rief die Menge auf „Fight for your rights“ und „We are Americans too!“ gegen die Polizei anzusingen. Gleichsam erklärend, das Bar-Management und er persönlich würden für alle Verhafteten Kaution stellen, um sie aus dem Gefängnis zu holen und die Rechtsanwaltskosten übernehmen. Doch jetzt wurde es erst so richtig bunt.

  Glaze führte die Menge aus der Bar zu einem Blumenshop auf der anderen Straßenseite, den er leer kaufte um nun mit den, mit Blumen ausgestatteten, Gästen, um drei Uhr Morgens, direkt zur Polizeistation zu marschieren. Davor sich aufbauend sie so lange demonstrierten, bis alle Verhafteten des Abends wieder auf Kaution frei waren. Die Polizisten im Büro hatten vermutlich den Schreck ihres Lebens, als die anschwellende, blumenbepackte Masse ins Büro einfiel, um dort ihre Freunde, Partner und Mit-Bar-Besucher zu befreien. Sie mussten Verstärkung rufen, um die Leute auf die Straße zurückzudrängen. Einer der Befreiten war Tony Valdez der Freund von Rev. Troy Perry, Letzterer unter dem Eindruck der Ereignisse die Metropolitan Community Church gründete, die heute 43.000 Mitglieder hat und speziell Gläubige der LGBT*-Community anspricht.       

  Die Polizeidurchsuchung im Stonewall Inn nun, lief erst wie geplant, nachdem sie 1:20 (später als sonst) begonnen hatte. In Reihen aufstellen, ID-Cards zur Hand haben, die ohne in den Hinterraum zur Inaugenscheinnahme bringen, durchsuchen. Hier begann die Stimmung sich anzuspannen, da einige Lesben „unangemessen“ berührt wurden, als die Polizei sie filzte. In dieser Stimmung mussten alle Anwesenden aufgereiht, etwa 205 Personen, 15 Minuten lang warten. Dann erst wurden die Nichtverhafteten auf die Straße gelassen. Doch nur einige gingen nach Hause – was sonst so schnell wie möglich passierte (z.B. um nicht von Reportern abgelichtet zu werden). Eine Menge von Gebliebenen und Hinzukommenden von 100-150 Leuten verweilte. Sie bekamen nun zu sehen, wie die Polizisten die Verhafteten nacheinander aus der Bar brachten, unter Schubsern und Tritten. Einige Umstehende begannen sich für die Polizisten in Pose zu werfen, zu salutieren und bekamen aus der Menge dafür anstachelnden Applaus. Entsprechend wurde die Abführung von Mafia-Mitgliedern und Angestellten begleitet. Einer rief „Gay Power!“, ein andrer sang „We shall overcome“, es gab Ironie und Humor in der Menge, aber auch eine sich steigernde Feinseligkeit.

  Ein Polizist schubste eine Transe vor sich her, die es ihm zurückgab und die Handtasche auf seinen Kopf hub, die Menge begann zu Buhen. Edmund White kam vorbei und beschrieb was er sah: „Everyone’s restless, angry, and high-spirited. No one has a slogan, no one even has an attitude, but something’s brewing“. Als das Gerücht umging es sei noch jemand in der Bar und werde dort zusammengeschlagen flogen erst Pennys, dann Flaschen nach mit Verhafteten abfahrenden Polizeiautos.

  Das erste Handgemenge brach los, als eine Frau in Handschellen heraus eskortiert wurde, und sich wiederholt der Eskorte entwand und es mit 4 Polizisten aufnahm, fluchend und schreiend sich 10 Minuten lang ihrer Haut erwehrte, bis sie („a dyke–stone butch“, es soll Stormé DeLarverie gewesen sein) von einem Schlagstock am Kopf getroffen wurde. Als sie auf dem Boden lag und in Richtung der Menge sagte: „Why don’t you guys do something?“, war es der Funke den es noch brauchte, das Pulver zu entzünden.

Stormé DeLarverie

  Als man die Niedergeschlagene aufhob und in den Wagen warf, kam die Menge in Bewegung, die Polizei versuchte sie zurückzudrängen und einige gingen, am Kopf von Knüppeln getroffen, zu Boden, doch der Rest stürmte nur um so entschlossener voran. Man versuchte die Wagen einzukesseln, die umgehend verschwanden. Die Menge schwoll schnell an, schon waren bis zu 600 Leute auf der Straße. Jemand schrie, es habe eine Razzia gegeben, weil „they didn’t pay off the cops„, jemand rief zurück „Let’s pay them off!„. Ein Münzenregen ging unter Rufen wie „Pigs!“ und „Faggot cops!“ auf die verbliebenen Polizisten nieder, die, mit Stockschlägen sich den Mob vom Hals haltend, langsam zurückwichen. Dave van Ronk (Inside Dave van Ronk – Vorbild für Inside Llewyn Davis), der aus einer andern Bar vom Tumult angelockt wurde und sich unter die Leute mischte sagte: „As far as I was concerned, anybody who’d stand against the cops was all right with me, and that’s why I stayed in… Every time you turned around the cops were pulling some outrage or another“. Die verbliebenen 10 Polizisten verbarrikadierten sich, einige Verhaftete und Weitere (u.a. Van Ronk u. Journalist Howard Smith) im Stonewall Inn, zur eigenen Sicherheit. Nun wurde das Gebäude angegriffen, mit allem was da war, Ziegelsteinen, Mülltonnen, sogar mit einer Parkuhr als Rammbock gegen die Tür, die „Street Queen“ Sylvia Rivera erinnert sich: „You’ve been treating us like shit all these years? Uh-uh. Now it’s our turn!… It was one of the greatest moments in my life“.

einziges Bild von den Stonewall Riots

  Man begann Müll zu entzünden und durch eingeschlagene Fenster zu werfen, die Polizei griff nach dem Feuerwehrschlauch, doch es gab nicht genug Wasserdruck, dadurch die Menge nur geduscht wurde. Als Einige durch die Fenster eindrangen zogen die Polizisten ihre Waffen, da flog die Tür auf und die Läufe richteten sich auf die Menge, unter Drohungen man werde schießen. Howard Smith, in der Bar, griff einen Schraubenschlüssel, nicht wissend ob er sich damit gegen Menge oder Polizei wehren sollte, bemerkend wie jemanden anfing Feuerzeugbenzin in der Bar zu verteilen. In dem Moment Feuerwehrsirenen zu vernehmen waren. 45 Minuten nach Beginn des Ansturms.

  Die Polizisten: von Trümmern getroffen, einer hatte ein verletztes Auge. Als schwer gepanzerte, schildtragende Anti-Riot-Einheiten einrückten. Der Augenzeuge Bob Kohler berichtet: „I had been in enough riots to know the fun was over… The cops were totally humiliated. This never, ever happened. They were angrier than I guess they had ever been, because everybody else had rioted… but the fairies were not supposed to riot… no group had ever forced cops to retreat before, so the anger was just enormous. I mean, they wanted to kill“.

  Die große Zahl an Einsatzkräften begann sogleich jeden zu verhaften derer sie habhaft wurden. Doch auch jetzt wehrten sich die Transpersonen entschieden abgeführt zu werden, ein Zeuge sagte „they were fighting furiously“. Die Polizei bildete mit ihren Schilden eine Phalanx und rückte langsam gegen die Leute vor um sie zurückzudrängen, unter den Verspottungen der Menge. Die bildete gegenüber der martialisch anlaufenden Reihe von Schilden und Schlagknüppeln, eine Kickline, eine Formation die Revuegirls bilden um synchron ihre Beine in die Luft zu werfen, dazu sangen sie: „We are the Stonewall girls/ We wear our hair in curls/ We don’t wear underwear/ We show our pubic hair“. Gerade, so sagte ein Augenzeuge, als die Menge den gemeinsamen Kick-Rhythmus gefunden hatte, war die Phalanx heran und löste die Gegenfront auf, die mit „Gay-Power!“-Rufen entwichen. Einzelne wurden verfolgt, entkamen und formierten sich neu. Andere Zeugen berichteten, von einzelnen Polizisten, die über mehrere Blocks von Demonstranten-Gruppen verfolgt wurden, skandierend: „Catch them!“.

  Vier Uhr waren die Straßen beinah gelehrt, einige waren noch vor Ort, andere im nahen Christopher Park. Von unterschiedlichen Zeugen wird übereinstimmend berichtet, es habe eine gespenstische Ruhe geherrscht und eine Art Elektrizität noch immer in der Luft gelegen. Einer sagte: „There was a certain beauty in the aftermath of the riot… It was obvious, at least to me, that a lot of people really were gay and, you know, this was our street“. Allein, das Stonewall Inn war völlig zerstört worden.

  Die Medien berichteten am nächsten Morgen, darunter landesweite und wichtige wie die New York Times und Daily News. In der kommenden Nacht geschah eigentlich dasselbe noch einmal, nur größer. Es kamen Tausende vor das angebrannt-verrußte und mit Kampfparolen besprayte Stonewall Inn. Dieselben Leute erschienen und mehr, doch auch Provokateure der Polizei, Schaulustige und sogar einige Touristen. In Erinnerung blieb vor allem, dass die LGBT*-Personen sich völlig frei und offen zeigten, sich nicht mehr versteckten und im Schatten blieben. Die Demonstranten begannen Autos anzuhalten und die Inhaber aufzufordern ihre Solidarität zu bekunden oder zuzugeben das sie „gay“ seien, bevor sie weiterfahren durften. 100 Polizisten waren zugegen, die nicht Herr der Lage wurden, wieder rückten die Anti-Riot-Einheiten an, jede Verhaftung wurde mit dem Gegenangriff beantwortet, der die Befreiung der Person zum Ziel hatte. Der Kampf ging bis 4 Uhr Morgens. Am Mittwoch darauf kam es auf Grund von tendenziösen und beleidigenden Medienberichten zu erneuten Ausschreitungen, als 500-1000 Leute drohten, das Büro von The Village Voice niederzubrennen.

  Die Folgen der Aufstände waren zahlreich. Die wichtigste war wohl, dass sich die LGBT*-Menschen deutlich selbstbewusster in der Öffentlichkeit zeigten, sie ließen sich nicht mehr in die Schmuddelecke stellen. Es wurden Organisationen gegründet und Zeitungen herausgegeben die stolz und offen das Wort gay trugen. Schon ein Jahr nach den Unruhen erinnerten die Gay Pride-Paraden an die Ereignisse und ab da fanden sie jährlich in immer mehr Städten, bald auch international statt (bspw. in West-Berlin ab 1971, in Dtl. als Christopher Street Days). Zur Zeit der Unruhen habe es in den USA etwa 50-60 „gay-groups“ gegeben, ein Jahr später waren es 1500, noch ein Jahr später 2500. Der Geist war aus der Flasche.

  Es ist an uns Allen, zu verhindern dass er darein zurückgedrängt wird. Auch heute erleben wir einen Backlash. Es ist aller Fortschritt noch lange nicht so sicher, wie es uns manchmal vielleicht erscheinen mag!  

Quellen:

https://en.wikipedia.org/wiki/Stonewall_riots

https://en.wikipedia.org/wiki/Compton%27s_Cafeteria_riot

http://www.ardmediathek.de/tv/Die-bunte-Republik-Homosexualit%C3%A4t-in-D/Thema?documentId=43972078

https://en.wikipedia.org/wiki/Cooper_Do-nuts_Riot

https://en.wikipedia.org/wiki/City_of_Night

https://en.wikipedia.org/wiki/PRIDE_(Personal_Rights_in_Defense_and_Education)

https://en.wikipedia.org/wiki/Black_Cat_Tavern

https://en.wikipedia.org/wiki/The_Patch_(bar)

http://www-personal.umich.edu/~elarmstr/publications/Movements%20and%20Memory%20Armstrong%20and%20Crage.pdf

https://en.wikipedia.org/wiki/Metropolitan_Community_Church

https://en.wikipedia.org/wiki/Troy_Perry

https://en.wikipedia.org/wiki/Storm%C3%A9_DeLarverie