Fraglichkeiten und Fragloses

Konzert von „Wonach wir suchen“ auf dem Leipziger Marktplatz, 15.07.2017

  Vielleicht, dass man es nicht erwartete. Wieso eigentlich? Eine beunruhigende Frage, die evtl. tief dringt, dort etwas Dunkel-Giftiges zu finden? Ein Ressentiment? Kann das sein? Doch vom sich diese Fragen stellenden Autor abzusehen…

  Demotag wars. Der Zug schon auf der Schiene. Zu spät noch aufzuspringen. Springen ist ohnehin des Autors Sache gerade nicht. Wurde er beim Fußball doch bänderanreißend umgetreten. Doch von diesem sich selbst Bemitleidenden erneut abzusehen… .

  Aller guten Dinge sind drei, allen Anfängen wohnt eigner hermannisch-hessescher Zauber inne und ein rainaldisch-grebescher Elf. Kaum dass der Tag über seine Mitte hinaus war, da ward der Soung auf der Bühne gecheckt. Die da checkten waren unverkennbar zwo Akustik-Klampfende, der eine aber basste. Dabei der Punk stimmlich seine Kehle hinter sich ließ, ein Gehänge um den Hals machte zudem Mundharmonisches erwarten. Während mittig ein Schlagholzknüppler schepperte. Eben schrub man noch über was da so an Ständen sich breitete, doch nun war es mit der Aufmerksamkeit dahin. Die, oh Phönix – du Aufsteigender, vom Papiere sich hob, den lauscherschmiegenden Wellen folgend, hin zu allso Erblickten.

  Sitz still Genosse, sink darnieder Federkiel, die Seele nimmt Auszeit! Als dar die Saiten schwiegen, trug das vorausgehende Gebein den Rest zum Stande, ganz Frage tat das Gesicht die Luke auf: „Wer war das?“, es war und ist: Wonach wir suchen.

  Angekündigt als Akustik-Punk, war es das. Seit Neuestem – na ja, mind. seit der EP Wer kippelt, steht!“ (2015) – wie man erfährt. Die erste Platte mit Schlagzeuger. Die letzte LP Aufbruch“ (2012) ist noch ohne diesen, hier es liedermacherischer zugeht, dabei der Gesang freilich unverkennbar aus einem anderen Genre herübergerettet wurde. Gibt es Liedermacher-Punk? Wer kann das sagen!? Solls ein anderer tun. Hier ward gekauft, am Merch-Stand. Nun also: Froher Besitzer. Zwischenzeit bis das Konzert eigentlich beginnt ist gewonnen, da schaute der Blick wieder das eckige Rund umher, wer da so zu Ständig war. Aufschreiben.

  Das steht auf andren Blättern. Auf diesen springen wir über die Chronos-Logik weg – direkt an die Seite Tanzender, die da an Zahlen reich waren. Oder eigentlich eher hinter deren Rücken, ein Stück abseits. Schauend herauf, konzentrierten Blicks, nix zu verpassen, ganz im Gefühl innrer Mitnahme, bei Ihnen. Und da sind die deutschen Texte – andre schreiben: voll Hoffnung – und haben Recht. Doch ist auch, es gefällt sogar noch besser, Sehnsucht da. Nach jugendlicher Kraft, diese die Welt, und zwar unbedingt, verändern will, manchmal rücksichtslos. Nach einer anderen Welt. Nach Weite, Freiheit, Liebe und den sie ermöglichenden Bedingungen, die nicht da sind – daseiendes Bedingen kritisierend – das zurichtet, den Zugerichteten mitfühlend zusingend. Ganz schön romantisch, oder? Ja, das ist wirklich: schön-romantisch.   

  Letzthinige Musik ist dem Instrumentellen gemäß rhythmischer und lauter, was die raue Stimme besser auffängt, sie sticht nicht mehr so heraus, ist besser abgemischt, mit den Anderen. Auch weil die Wut und die Kritik so härter wirken. Es ist tanzbarer was man hört. Der Arsch nimmt mehr Anteil, hockt nicht nur auf seinem Stuhl.

  Häufig glaubt man die Melodie zu kennen, es wird dann aber doch nicht ganz so…, doch wie ein Zitat, greift es auf Erinnerungen zurück – verschwommen bleibend, rufen sie Vergangenheit herbei, dennoch echot es zeitgemäß heraus. Von 5 Songs haben 3, im guten Sinne, Hitcharakter. Nicht dass da der Pop abginge, oder das so schrecklich deutsche Mitklatschen anhübe. Sondern es gerät so, dass es sehr lang bräuchte, bis man diese nicht mehr hören könnte. Dabei Teilhabe an der Dynamik Inniges mitschwingen macht. Was ernst ist, ohne Pathos zu haben, sich dem Verspielten gegenüber befindet, ohne in Front dagegen zu treten. Die Mischung macht es – so das Phrasische.  Und was? Dass man gern hat. Und Hört. Und darob schreibt. Dass fraglos eine tolle Band, beim CSD 2017, entdeckt wurde. Für sich. Das die Band hier auftrat hat seine Gründe. Einer davon ist, dass sie „ganz klar Stellung gegen jede Form von Ausgrenzung, Rassismus, Homophobie und Sexismus“ bezieht.

  Dafür gibt es ein tomayerisches Herzmerci.

Links:

http://transit-music.de/wonach-wir-suchen/

https://de-de.facebook.com/wonachwirsuchen/